Mann trägt Kleinkind auf den Schulter - Kind streckt die Schulter in die Höhe

Schulterinstabilität und Schulterluxation

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers – und dadurch besonders anfällig für Auskugelungen, sogenannte Luxationen. Anders als beispielsweise das Hüftgelenk ist die Schulter knöchern nur unzureichend geführt. Ihre Stabilität entsteht vor allem durch das Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen und der Gelenkkapsel. Kommt es wiederholt zu einem Auskugeln des Schultergelenks, spricht man von einer Schulterinstabilität.

Je nach Ursache unterscheiden wir zwischen einer traumatischen, also unfallbedingten Instabilität, und einer sogenannten habituellen Instabilität, bei der es ohne ein eindeutiges Unfallereignis zu wiederholten Auskugelungen kommen kann.

Formen der Instabilität

Traumatische Schulterinstabilität

Die traumatische Instabilität entsteht durch einen Unfall. Dabei springt der Oberarmkopf infolge einer Gewalteinwirkung aus der Gelenkpfanne. Häufig kommt es zu einem Abriss der Gelenklippe (Labrum) von der Pfanne. Zwar kann das Labrum wieder anheilen, meist jedoch nicht in seiner ursprünglichen stabilisierenden Position. Dadurch bleibt eine mechanische Schwäche zurück, sodass es auch ohne erneutes Trauma immer wieder zu Luxationen kommt - die Schulter ist instabil.

Habituelle Schulterinstabilität

Tritt eine Auskugelung des Schultergelenks dagegen ganz ohne ein Unfallereignis auf, handelt es sich um eine sogenannte habituelle Instabilität. Ursache ist im diesem Fall eine zu lockere Führung des Gelenks aufgrund einer weiten Gelenkkapsel sowie wegen zu lockeren Bändern. Meist manifestiert sich eine habituelle Schulterinstabilität im jungen Erwachsenenalter.

 

Schulterinstabilität behandeln

Frau erhält Kinesio-Tape an der Schulter – konservative Behandlung bei habitueller Schulterinstabilität

Habituelle Schulterinstabilität

Bei der habituellen Instabilität sollte eine Operation möglichst vermieden werden. Die Behandlung besteht in einem strukturierten physiotherapeutischen Aufbauprogramm.

Im Mittelpunkt stehen:

  • Kräftigung der Rotatorenmanschette

  • Training der Schulterblattstabilisatoren

  • Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle

  • Propriozeptives und sensomotorisches Training

Ziel ist es, die fehlende passive Stabilität durch eine optimierte muskuläre Führung auszugleichen.

Die Physiotherapie sollte konsequent über mindestens drei bis sechs Monate durchgeführt werden. Entscheidend für den Erfolg ist das regelmäßige Eigentraining. In vielen Fällen kann so eine stabile und belastbare Schulter erreicht werden.

Schemazeichnung arthroskopischer Eingriff bei Schulterinstabilität

Traumatische Schulterinstabilität

Ob bei einer traumatischen Schulterinstabilität eine operative Stabilisierung notwendig ist, richtet sich nach Ihrem individuellen Risiko für erneute Luxationen. Ein entscheidender Faktor ist dabei das Lebensalter: Bei jungen Patientinnen und Patienten liegt das Risiko für wiederholte Auskugelungen bei über 80 Prozent. In dieser Situation ist eine frühzeitige operative Stabilisierung in der Regel sinnvoll – auch um langfristige Folgeschäden wie eine vorzeitige Gelenkabnutzung im Sinne einer sogenannten Instabilitätsarthrose zu vermeiden.

Die operative Versorgung erfolgt meist arthroskopisch. Im Rahmen der Gelenkspiegelung wird der entstandene Schaden beurteilt und das abgelöste Labrum wieder stabil an der Gelenkpfanne refixiert.

Besteht zusätzlich ein knöcherner Defekt der Gelenkpfanne, ist eine alleinige Naht des Labrums nicht ausreichend. In diesen Fällen erfolgt eine knöcherne Rekonstruktion, beispielsweise im Rahmen der sogenannten Latarjet-Operation.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Ist eine Operation erforderlich, wird die Schulter nach dem Eingriff zunächst mit einer Orthese geschützt, welche meist für drei Wochen Tag und Nacht getragen werden muss. Abgenommen werden darf die Orthese für die Körperpflege (Duschen) sowie für die Physiotherapie, welche schon am ersten Tag nach der Operation beginnen kann. Eine Rückkehr zum Sport ist je nach Sportart nach drei bis sechs Monaten möglich.